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Journals 2009 DE

Politische Öffentlichkeit statt Mitbestimmung? Zur Bedeutung der contiones in der mittleren und späten römischen Republik

Tiersch Claudia

Die Untersuchung befaßt sich mit dem Volksversammlungstyp der contiones als entscheidender kommunikativer Schnittstelle zwischen Volk und Senat in der Zeit der römischen Republik. Durch eine Analyse kommunikativer und performativer Mechanismen, aber auch der hier thematisierten Gegenstandsbereiche wird gezeigt, warum es nobilitären Rednern innerhalb der mittleren Republik meist gelang, die Akzeptanz der Bürgerschaft für die von ihnen formulierten politischen Ziele zu gewinnen. Hierbei gelang die Integration der Bürger trotz einer zutiefst hierarchischen Kommunikationsstruktur, denn die aristokratischen Redner vermochten ihre herausgehobenen Geltungsansprüche durch die Verheißung patronalen Leistungsaustauschs an geltende Sozialbeziehungen anzuknüpfen und dadurch für die Zuhörer mit sozialem Sinn zu erfüllen. Allerdings verdeutlichte die wachsende Gewalt innerhalb der contiones der späten Republik die institutionellen Grenzen dieses Versammlungstyps. Dieser war nicht mehr in der Lage, die massiven Interessengegensätze jener Jahrzehnte kommunikativ zu bewältigen. Insofern wird die Krise der späten römischen Republik auch als Störung der Kommunikationsbeziehungen zwischen Ober- und Unterschichten faßbar.

De Gruyter
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Pompeius’ Career from 79 to 70 BCE: Constitutional, Political and Historical Considerations

Vervaet Frederik J.

Cn. Pompeius Magnus is undoubtedly best known for his great commands of 67 and 66 BCE and his subsequent role as ally, then enemy, of Iulius Caesar. Nonetheless, comprehensive scrutiny of Pompeius’ track record from 79 to 70 BCE reveals that this was perhaps the most remarkable and ground breaking stage of his career. In 78, in the face of yet another civil war, the Senate charged Rome’s first ever eques triumphalis with an independent propraetorian commission, under the auspices of the consul Q. Lutatius Catulus. In 77, Pompeius flatly ignored Catulus’ direct orders to disband his army, eager to secure a major role in the war against Sertorius and his Spanish associates. After a long and acerbic debate, the Senate eventually decided to have the People appoint Pompeius to an extraordinary proconsulship. By virtue of an unprecedented provision, the equestrian proconsul was, moreover, authorized to command in Spain on an equal footing with the consular proconsul Metellus Pius, the princeps ciuitatis of the time. In 71, Pompeius boldly decided to stand for the consulship of 70, in collusion with M. Licinius Crassus. As he ran on a decidedly popular platform and, once again, refused to disband his legions, the conscript Fathers had little choice but to grant dispensation from the Cornelian Law as well as a second public triumph. This paper will argue that, in political and constitutional terms, Pompeius played an instrumental role in burying Sulla’s constitutional settlement, and that his extraordinary career in the seventies BCE set a fateful example for the next couple of decades.

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Freikauf in Staatsregie. Militärische Stellvertretung im Großherzogtum Hessen 1835/36 bis 1866 Buy-off through Government Agencies. Military Substitution in the Grand Duchy of Hesse 1835/36 to 1866

Sicken Bernhard

Nach 1815 wurde in vielen deutschen Staaten die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Diese war nötig geworden, um die Vergrößerung der Armeen möglich zu machen. Die allgemeine Verpflichtung zum Wehrdienst enthielt allerdings die Möglichkeit, sich von einem Ersatzmann vertreten zu lassen. Der Aufsatz analysiert den Austausch der Rekruten durch Stellvertreter sowie die damit verbundenen Ausgaben im Großherzogtum Hessen. Dabei wird besonders auf den Anspruch der Regierung fokussiert, die Rekruten, die für die Armee von großer funktioneller Bedeutung waren, in ihrem Sinne zu beeinflussen. Das politische Ziel war es, ihre Loyalität zu stärken, da die meisten Unteroffiziere aus den Rängen der Wehrpflichtigen stammten. Sie mussten die militärische Ordnungs aufrecht erhalten und sie den neuen Rekruten beibringen. Daher war eine Auswahl unter den Rekruten durch die Regierung zweckdienlich und wurde trotz liberaler Gegenwehr in den 1830er Jahren durchgeführt. Das Kriegsministerium gründete zu diesem Zweck das Einstandbüro, das für den Austausch der Rekruten durch Ersatzmänner verantwortlich war. Ein Versicherungsunternehmen, die Assekuranzanstalt, unterstützte das Büro mit den notwendigen Geldern, wodurch die Regierung die kommerziellen Rekrutieranstalten um ihre Geschäftsgrundlage brachte und diese Form der Armeevergrößerung monopolisierte. Dass es möglich war, eine derartige Versicherung gegen den Militärdienst abzuschließen, war Gegenstand der Kritik. Jedoch gab es auch in anderen deutschen Staaten die Möglichkeit, durch den Ersatz eines Rekruten Geld zu verdienen, was die hessische Praxis, Geld gegen Freiheit einzutauschen, in einen strukturellen Kontext stellt.

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Ein nationaler Weg. Kanada und die Schaffung der UN-Blauhelme in der Suez-Krise 1956 A National Path. Canada and the Creation of the UN Blue Helmets during the Suez Crisis 1956

Schulte Jan Erik

Die Suez-Krise von 1956 gilt als Geburtsstunde des klassischen Peacekeeping. Bei der Schaffung der UN-Blauhelme spielten Kanada und sein Außenminister Lester B. Pearson, der hierfür den Friedensnobelpreis erhielt, eine entscheidende Rolle. Im Gegensatz zur retrospektiven Betrachtung war zeitgenössisch in Kanada die Regierungspolitik höchst umstritten. Der Aufsatz analysiert, in wieweit die nationale Debatte von 1956 den Keim für die positiv besetzte Erinnerung legte. Die kanadische Regierung wandte sich in der Krise bewusst gegen die britische Position. Dieser Schritt wurde als Verrat am Mutterland und als Angriff auf die nationale Identität begriffen. Leitartikel, Leserbriefe und Briefe an Pearson geben einen Einblick in die Schärfe des Konfliktes. Langfristig setzte sich ein nationales Selbstverständnis durch, das sich von Großbritannien löste. Seit der Suez-Krise eng mit der Suche nach einer postkolonialen Identität verknüpft, avancierte das kanadische Peacekeeping zu einer Institution, die in Innen- und Außenpolitik kanadische Werte repräsentierte. Die Verbindung zwischen kanadischem Selbstverständnis und Peacekeeping führte zu einer konstanten Unterstützung der UN-Blauhelmeinsätze im 20. Jahrhundert.

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1871-1918

Peter Walkenhorst, Nation – Volk – Rasse. Radikaler Nationalismus im Deutschen Kaiserreich 1890-1914 (Bruno Thoß )

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Ideology and Total War. Military Intellectuals and the Analysis of the Spanish Civil War in Britain, 1936–1943

Searle Alaric

The recent historical interest in the analysis of the lessons of the Spanish Civil War by the European powers has tended to focus very strongly on the tactical experiences and the study of new military technology. This has led to the implied assumption that much of this analysis took place within a closed, professional military environment. In the case of Britain, however, the military debate on the lessons and significance of the civil war was conducted in a much more public fashion than in many other countries. For this reason, and due to the considerable political controversy over the official government policy of non-intervention, ideology played a significant role in the analyses of the unfolding military drama in Spain. This article considers the way in which ideology affected military interpretations of the conflict – and the employment of these analyses for ideological purposes – by examining the public debate, the reaction of British intelligence and the views of four "military intellectuals" who commented on the conflict in newspaper articles, books, and in memoranda written for military intelligence

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»Die Ausführung der Maßnahme hielt sich anscheinend nicht im Rahmen der gegebenen Weisung«. Die Suche nach Hergang, Tätern und Motiven des Massakers von Maillé am 15. August 1944

Lieb Peter

Am 25. August 1944 töteten deutsche Soldaten 124 Einwohner – darunter viele Frauen und Kinder – des Dorfes Maillé bei Tours und zerstörten das Dorf. Nach jenem von Oradour-sur-Glane war dies das schlimmste Massaker während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg. Allerdings geriet Maillé – im Unterschied zu Oradour und vergleichbaren Verbrechen – für Jahrzehnte in Vergessenheit. Nach dem Krieg verurteilte ein französisches Militärgericht den ehemaligen deutschen Leutnant Gustav Schlüter zum Tode, doch Schuldfrage und Umstände wurden nicht wirklich geklärt. Erst zwei Ereignisse machten Maillé einer breiten Öffentlichkeit bekannt: 2005 eröffnete die Staatsanwaltschaft Dortmund den Fall Maillé neu, und 2008 weihte der französische Staatspräsident Sarkozy in Maillé eine Gedenkstätte ein.

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Keilschriftforschung

Für die Wissenschaften vom Alten Orient wie auch für das an deren Ergebnissen interessierte breitere Publikum von besonderer Bedeutung war im vergangenen Jahr die eindrucksvolle Babylon-Ausstellung, die – in jeweils etwas anderer Form – vom 14. März bis 2. Juni 2008 in Paris, vom 26. Juni bis 5. Oktober 2008 in Berlin und vom 13. November 2008 bis 15. März 2009 in London stattfand. Für die Leser der Sparte Keilschriftforschung dürfte dabei auch von Interesse sein, dass für die Ausstellungen jeweils ein eigener Katalog bzw. Begleitband erarbeitet wurde: B. André-Salvini (ed.), Babylone. À Babylone, d′hier et d′aujourd′hui ; Berlin: J. Marzahn – G. Schauerte (Hg.), Babylon. Wahrheit , und M. Wullen – G. Schauerte (Hg.), Babylon. Mythos ; London: I.L. Finkel –M.J. Seymour (ed.), Babylon. Myth and Reality, und Babylon. City of Wonders . Die Berliner Ausstellung war mit einer internationalen wissenschaftlichen Tagung zum Thema „Babylon –Wissenskultur zwischen Orient und Okzident“ (26.–28. Juni 2008) verbunden, deren Ergebnisse demnächst in einem speziellen Kongressband vorgestellt werden sollen. In diesen thematischen Zusammenhang gehören auch die 2008 erschienenen Proceedings of the 51st Rencontre Assyriologique Internationale, held at the Oriental Institute of the University of Chicago, July 18–22, 2005 , mit Beiträgen zum Thema „Classification of Knowledge in the Ancient Near East: Lexicography, Iconography, Stratigraphy“.

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Diagnose im Alten Mesopotamien. Überlegungen zu Grenzen und Möglichkeiten der Interpretation keilschriftlicher diagnostischer Texte

Böck Barbara

Eng verbunden schon mit der Veröffentlichung der ersten systematischen Übersetzungen ganzer Gruppen von babylonisch-assyrischen Rezepten durch F. Oefele Anfang des 20. Jh.,1 R. Campbell Thompson2 und E. Ebeling3 in den 20er und 30er Jahren oder der Publikation des diagnostisch-prognostischen Handbuches durch René Labat4 Anfang der 50er Jahre war die Frage nach der Identifikation der in den keilschriftlichen Texten geschilderten Symptome, Syndrome und Krankheiten. Assyriologen, aber auch Mediziner haben sich immer wieder mit einzelnen Krankheitsbeschreibungen auseinandergesetzt und den Versuch einer Identifikation mit modernen medizinischen Fachtermini gewagt. Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit anstreben zu wollen, sei etwa an die in den letzten Dekaden veröffentlichten Arbeiten von F. Köcher,5 J. V. Kinnier Wilson,6 R. D.

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Auch eine Poetik des Hörbuchs – Goethes Empfehlung des Vorlesens

Meyer-Kalkus Reinhart

Es ist die ironische Pointe im Leben eines Theaterdirektors, dass er nach über 20-jähriger Tätigkeit zur Einsicht gelangt, die wichtigsten Dramatiker der Weltliteratur wie Shakespeare und Calderón seien auf der Bühne eigentlich nicht spielbar, am besten würden sie vorgelesen. Goethe war dieser Theaterdirektor. Das Vorlesen dramatischer Teste erschien ihm nicht nur als Hilfsmittel der Proben oder als Ersatz für Theater-Aufführungen, sondern als eine eigene Kunstform, die geeignet ist, die Einbildungskraft des Zuhörers auf besondere Weise anzusprechen.

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