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Journals 2009 DE

Seelengesetze mit Gesellschaftswert. Weibliche Subjektwerdung und die Utopie menschlicher Perfektion in der feministisch-sexual reformerischen Liebesethik um 1900

Arni Caroline

1911 sieht der Historiker, Nationalökonom und Soziologe R o b e r t Michels e i nen »Sonnenball« »am Horizont bereits auftauchen«, wenn auch dessen »Strahlen [ . . . ] noch blass und matt sind und noch nicht die Kraft haben, neues Leben zu spenden« (Michels 1911, 55). Zwar mit gezügeltem Enthusiasmus, aber mit viel Gewissheit wird hier auf dem Gelände zwischenmenschlicher Intimität ein utopos angesiedelt: D e r Sonnenball nämlich, das ist die »neue Geschlechtsethik«, verstanden als »freiwillige Liebe« und »Mixtum compositum von gegenseitigem Verstehen, Kameradschaftsgefuhl und Sinnlichkeit« (Michels 1911, 18. u. 120). Und diese Verheißung einer neuen Form der Geschlechterbeziehung schimmert nicht aus einem Nicht -Or t jenseits des Gegebenen in dieses hinein, sondern leitet als Morgendämmerung eine erwartete Zukunft ein. Dass R o b e r t Michels ' Entwurf einer neuen Geschlechtsethik als utopischer zugleich ein programmatischer war, entsprach ganz dem veränderten »spatio-temporalen Register« utopischen Denkens in der Moderne: Nicht mehr eigentlicher u-topos, wurde die Utopie nach 1800 zum Programm, das nach Realisierung »an j e d e m Ort« strebt und sich auf diese Weise als Handlungsorientierung in die G e genwart einschreibt; sie erschien »nunmehr als nahe oder ferne Zukunft, aufwei che die Menschheit unweigerlich zugeht« (Picon 2002 , 25; Riot-Sarcey 1998). Dass umgekehrt dieser Entwurf als programmatischer zugleich ein utopischer war, hat nichts mit einem dem Liebesgefuhl transhistorisch innewohnenden utopischen Uberschuss zu tun. Vielmehr war es Ausdruck eines Zeitraums, in dem gesellschaftliche Verhältnisse wesentlich auch als Geschlechterverhältnisse neu geordnet wurden und diese Neuordnung im Sinn des Fortschrittsdenkens als eine progressive Vollendung menschlichen Potentials — als Verwirklichung der Utopie — gedacht war. Und in den Debatten über solche Neuordnungen wurde die heterosexuelle Liebe, in der Geschlechterverhältnisse als Geschlechterbeziehungen Form annehmen, mit entsprechender Bedeutung aufgeladen. Die Grundzüge der Michels sehen Vision waren denn auch nicht originell; vielmehr sind sie exemplarisch fur eine Konzeption des heterosexuellen Paars,

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Gefängnisseelsorge in der sich wandelnden ostdeutschen Gesellschaft. Eine Analyse der kulturellen, theologischen und sozialen Spannungen

Becci Irene · Willems Joachim

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in Ostdeutschland wurde die Beziehung zwischen Staat und Kirche neu geregelt. Die Konsequenz war ebenfalls eine Redefinition der Beziehung von Kirche und Gesellschaft. In diesem Artikel konzentrieren sich die Autoren beispielhaft auf einen Aspekt im Zusammenhang dieses Wandels: die Gefängnisseelsorge in ostdeutschen Gefängnissen. Dabei schlagen sie einen Vergleich zur Einführung des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen vor. Sie beschreiben die spezifischen Bedingungen der gegenwärtigen gesellschaftlichen und rechtlichen Grundlagen der Gefängnisseelsorge in Ostdeutschland, portraitieren fünf Gefängnisseelsorger und analysieren Interviews, die mit ihnen gemacht wurden. Sie fokussieren auf drei Arten von Spannungen, die als charakteristisch für den ostdeutschen Kontext angesehen werden können und mit denen die Gefängnisseelsorger und –seelsorgerinnen einen Umgang finden müssen: ihre konfessionelle Identität, die in staatliche Strukturen eingebettet ist, die Hilfe in einer hochsäkularisierten Gesellschaft anbieten; ihr Rückgriff aus in der DDR gemachte Erfahrungen, als sie mit dem neuen Staat kooperieren mussten; und schließlich die Neujustierung der Beziehung von Gefängnis und der Gesellschaft außerhalb der Gefängnismauern.

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Multiparametrische Diagnostik in der Pathologie / Multiparametric diagnostic methods in pathology

Cullen Paul · Funke Harald · Klein Hanns-Georg +4 more

Die Arbeitsgruppen Chipdiagnostik und Bioinformatik der DGKL haben sich bei ihrer Jahrestagung 2008 mit Anwendungen der arraybasierten Technologie in der Pathologie beschäftigt. Hauptthemen waren neue Entwicklungen auf dem Feld der Gewebematrices oder Multigewebeblöcken (engl. tissue arrays), Anwendungen der multiparametrischen Analytik in der epigenetischen Regulation der Genaktivität, sowie die arraybasierte vergleichende genomische Hybridisierungstechnologie (engl. array comparative genomic hybridization oder Array-CGH). Diese Methoden finden bereits heute besonders in der Charakterisierung von Tumorzellen und -gewebe einen breiten Einsatz und haben die Krebsdiagnostik erheblich vorangebracht. Eine wichtiges Ergebnis der Tagung war die Erkenntnis, dass bei der hochparallelen Analytik die technischen Möglichkeiten der klinischen Anwendung voraus sind. Deshalb besteht ein erheblicher Bedarf vor allem an begleitender klinischer Forschung, um die Anwendbarkeit und die Bedeutung dieser Diagnostik zu präzisieren.

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Kapilläre Blutbildanalysen in der klinischen Praxis: eine sichere, zuverlässige und valide Methode / Capillary blood count analyses in clinical practice: a safe, reliable and valid method

Schalk Enrico · Scheinpflug Katrin · Mohren Martin

In der Hämatologie erfolgen Blutbildbestimmungen teilweise durch kapilläre Punktion. Akzeptiert sind jedoch nur venöse Werte. Ziel dieser Arbeit war es daher, die Problematik der kapillären Blutbildbestimmung aus labormedizinischer und klinischer Sicht zu beleuchten. Dazu führten wir eine selektive Literaturrecherche durch. Ergänzend wurden eigene Daten dargestellt. Bei Erwachsenen lagen die kapillär-venösen Differenzen im Mittel für Hämoglobin bei +0,3 g/dL bzw. +0,2 mmol/L (+2,1%), für Hämatokrit bei +1,5% bzw. +0,02 L/L (+3,6%), für Leukozyten bei +0,2×10 3 /μL (+2,7%), für neutrophile Granulozyten (absolut) bei +0,22×10 3 /μL (+4,7%), für Thrombozyten bei –19×10 3 /μL (–8,3%) und für Erythrozyten bei +0,1×10 6 /μL (+1,8%). Bei Kindern waren die Differenzen größer als bei Erwachsenen: Hämoglobin +1,1 g/dL bzw. +0,7 mmol/L (+6,3%), Hämatokrit +3,1% bzw. +0,03 L/L (+6,0%), Leukozyten +2,0×10 3 /μL (+14,6%), neutrophile Granulozyten (absolut) +0,91×10 3 /μL (+11,0%), Thrombozyten –33×10 3 /μL (–14,1%) und Erythrozyten +0,3×10 6 /μL (+6,0%). Die kapillären Werte korrelierten sehr gut mit den entsprechenden venösen Werten. Die kapilläre Blutbildbestimmung ist risikoarm, zuverlässig, gegenüber einer venösen Bestimmung durchaus vorteilhaft und erbringt mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig -positive bzw. richtig -negative Werte für Patienten mit Anämie, Polyglobulie, Thrombo- oder Neutrozytopenie im Vergleich zur venösen Blutbildbestimmung. Die kapilläre Blutbildbestimmung kann damit zumindest bei Erwachsenen in der klinischen Praxis eingesetzt werden.

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‘A proper synthesis of literary and linguistic study’: C. S. Lewis and a forgotten war

Williamson Karina

This article traces the long-running conflict between the interests of ‘Language’ and ‘Literature’ within English studies in Britain, using as springboard a letter from C. S. Lewis (then professor of Medieval and Renaissance Literature), to Angus McIntosh (then professor of English Language and General Linguistics). Written in 1961 when ‘Lang. & Lit.’ hostilities were at their height, the letter points two ways: back to old battles in Schools of English between philologists and literary scholars, historians and critics, and forward to continuing disputes about the contribution of linguistics to literary criticism. The main focus is on the period 1957–1977, before the impact of structuralism and poststructuralism diverted the attention of literary scholars, but during the development of stylistics as a method of analysing literary texts. McIntosh emerges as a pioneering figure in the struggle to achieve an effective integration of literary and linguistic studies.

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Epidemiology and Predisposing Factors of Obesity in Greece: From the Second World War Until Today

Roditis, M.L. · Parlapani, E.S. · Tzotzas, T. +2 more

Over the last 30 years overweight and obesity among adults and children have been on the rise, and since 1997 WHO has designated obesity as a major public health problem. In Greece both adult and childhood obesity is now recognized as an epidemic problem, probably more important than in other European countries. The issue is more serious in male adolescents and adults. There is also a tendency for weight increase along the last 30 years. Metabolic syndrome and type 2 diabetes mellitus are also rising rapidly in the Greek population. The reasons for this epidemic in Greece are not clear. Possible explanations could emerge from the delayed but sharp economic evolution of the country, as well as the abandonment of the traditional Mediterranean diet. Other predisposing factors in Greek children are parental obesity, frequent television viewing, low rates of breastfeeding and, in adolescent girls, smoking and alcohol consumption. Emerging measures are needed to confront this epidemic.

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Die Rechtsfolgenlösung des BGH als Weg zur schuldangemessenen Strafe beim Mord

Reichenbach Peter

Zu den spektakulärsten und am meisten umstrittenen Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Strafsachen zählt nach wie vor der Beschluss des Großen Senats vom 19. Mai 1981, demzufolge in besonders gelagerten Ausnahmefällen jedenfalls des Heimtückemordes die grds. absolute Strafdrohung des § 211 Abs. 1 StGB durch den nach § 49 Abs. 1 Nr. 1 StGB gemilderte Strafrahmen zu ersetzen ist. Im Schrifttum hat diese sog. Rechtsfolgenlösung zunächst breite Ablehnung erfahren, während die Strafrechtspraxis ihr ohne weiteres gefolgt ist. Nachdem nunmehr über 25 Jahre vergangen sind und die schon zu Beginn der 1980er Jahre als überfällig angesehene Reform der Tötungsdelikte trotz zahlreicher tief greifender Änderungen des StGB im Übrigen noch immer auf sich warten lässt, stellt sich die Frage, ob die scharfe Kritik, die dem BGH damals entgegenschlug, tatsächlich berechtigt war.

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Examensklausur StR Sommerurlaub in den Alpen

Fahl Christian

Der erste Teil des Sachverhalts ist einer Entscheidung des OLG Köln, NJW2002, 1059, nachempfunden, der letze Sachverhaltsteil ist an den »Daschner-Fall« angelehnt, der inzwischen sogar Themavon Fernsehkrimis gewesen ist, so dass erwartet werden konnte, dass sich die Kandidaten damit schon beschäftigt hatten. Auch dort war das Problem nämlich in einen Erlaubnistatbestandsirrtum eingebettet. Wer sich damit freilich noch nie zuvor auseinander gesetzt hat, dürfte es ziemlich schwer haben, sich durch den Erlaubnistatbestandsirrtum hindurch zu den Problemen vorzuarbeiten. Außerdem galt es, den Fall des »folternden« Polizeibeamten auf die »folternde« Privatperson zu übertragen. Die folgendenAusführungen sind die geringfügig überarbeitete Fassung der Original-Lösungshinweise, die den Prüfern zur Orientierung zur Verfügung gestellt werden, es handelt sich also nicht um eine »Musterlösung«.

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