Book Series
2009 DE
Joachim Schummer · Tami I. Spector
Einleitung Das öffentliche Bild von nahezu allen Gegenständen und Bereichen ist ganz wesentlich ein visuelles Bild. Denn die meisten öffentlichen Diskurse sind visuell vermittelt, und für viele Menschen bleibt das visuelle Bild auch dann noch erhalten, wenn die Worte längst vergessen sind. Visuelle Bilder lassen sich leichter als andere Medien einer breiten Öffentlichkeit kommunizieren, oft wird sogar das gesprochene oder geschriebene Wort in der menschlichen Vorstellung in ein visuelles Bild übertragen. Obwohl Visualisierungen die Wissenschaft spätestens seit dem Mittelalter begleitet haben, sind sie erst in jüngerer Zeit zum Gegenstand der Wissenschaftsforschung geworden. Viele mittelalterliche alchemistische Texte und Renaissance-Bücher über praktisches Wissen waren geradezu überladen mit Bildern; sie bereiteten die spätere Tradition der Lehrbuchillustrationen vor. Die zahlreichen spätmittelalterlichen Versuche, den gesamten Bereich des Wissens zu klassifizieren, waren oft illustriert mit Holzschnitten der Künste, aus denen die emblematischen Darstellungen verschiedener Disziplinen hervorgingen. Das Deckblatt eines wissenschaftlichen Buches der Renaissance enthielt in der Regel eine Abbildung des Autors in seiner typischen Arbeitsumgebung und -haltung, worauf sich spätere Traditionen der Porträtkunst stützen konnten. Und die satirische Literatur des 15. und 16. Jahrhunderts, die reich mit Holzschnitten illustriert war, sowie die meist satirische Genremalerei flämischer und holländischer Maler widmeten sich ausgiebig Bereichen wie Alchemie, Pharmazie, Medizin und Astronomie. All diese Bilder trugen wesentlich zur Entwicklung des öffentlichen Bildes der Wissenschaft bei und tun dies zum Teil bis heute. Jede Untersuchung des öffentlichen visuellen Bildes der Wissenschaft ist mit zwei Grundproblemen konfrontiert: einerseits die Vielzahl der existierenden Bilder und andererseits die mediale Kluft zwischen den Bildern als Untersuchungsgegenstand und der Sprache als Medium der Untersuchung. Die beiden klassischen Studien von Margaret Mead und Rhoda Métraux (Mead/Métraux 1957) und David Chambers (Chambers 1983) umgingen beide Probleme, indem sie ihre Probanden im ersten Fall mit Worten und im zweiten Fall über Zeichnungen darstellen ließen, wie ein typischer Wissenschaftler aussieht. Diese Untersuchungen belegten eine Reihe von Stereotypen, z.B. „ein Mann, der einen weißen Kittel trägt und im Labor arbeitet, [...] älter oder mittelalt ist und eine Brille trägt, [...] mit Bart oder unrasiert und ungekämmt ist [...], umgeben ist von Geräten, [...] der seine Zeit mit Experimenten verbringt“, ein Einzelgänger ist „ohne soziale Beziehungen und ohne andere intellektuelle Interessen, Hobbys und Entspannungen“; oder man assoziierte den typischen Wissenschaftler mit Magiern, Alchemisten und verrückten Wissenschaftlern. Eine andere Möglichkeit, das öffentliche visuelle Bild der Wissenschaft zu untersuchen, besteht darin, sich auf eine klar umgrenzte Menge von Bildern zu konzentrieren, wie dies z.B. Marcel LaFollette mit Illustra-
Book Series
2009 EN
Stephan Packard
Book Series
2009 DE
Cornelia Mohr · Harald Bader · Malte Wicking
Book Series
2009 DE
Christian Spies
Als die Dresdner der Gemäldegalerie im Mai des letzten Jahres auf der virtuellen Insel Dresden Gallery im Second Life auftauchte, geschah dies unter großer Beachtung und reger Berichterstattung (Abb. 1). Es war das erste Museum von internationalem Rang, das inmitten des großen Medienrummels um das Second Life eine virtuelle Dependance eröffnete; noch dazu eines, das sich als Gemäldegalerie im traditionellen Sinne versteht, die unmittelbar an seine Geschichte als höfische Kunstsammlung August des Starken anknüpft. Schließlich handelte es sich auch nicht um das Projekt irgendeines privaten oder gewerblichen Mitglieds des Second Life. Es war von den Dresdner Kunstsammlungen selbst initiiert, als Werbemaßnahme mit beachtlichen öffentlichen Mitteln vom Außenministerium und der Unterstützung der technischen Universität Dresden, von der es auch wissenschaftlich begleitet wird. „Visit one of the world’s most famous museums, the Old Masters Picture Gallery of the Dresden State Art Collections. There you can view great masterpieces of key importance for the history of art, such as Raphael’s „Sistine Madonna“ or Giorgione’s „Sleeping Venus“. All the rooms of the museum have been reconstructed true to scale on the „Dresden Gallery“ island in Second Life and all 750 masterpieces in the permanent exhibition are on display.“ So lautet der Text auf der Eingangsseite zur virtuellen Galerie, für die Außenansicht des Dresdner Zwingers und die Sempergalerie virtuell rekonstruiert worden sind (Abb. 2). Wie im realen Museum – so der Anspruch des Projekts – könne man nicht nur alle Bilder an ihrem Stammplatz und im exakt nachgebildeten Rahmen sehen sondern auch ihr virtuelles Pendant mithilfe einer Audiotour durchwandern. Selbst im virtuellen Museumsshop mit Postern und Souvenirs sollen die Gewohnheiten eines üblichen Museumsbesuches nicht beeinträchtigt werden. Bereits die ersten Einträge im offiziellen Gästebuch scheinen dieses virtuelle Museumserlebnis zu dokumentieren: „This was a nice trip to the Dresden Gallery without beeing there for real. Congratulation.“, heißt es im ersten Eintrag, „Traumhafte Architektur, wunderschöner Aufenthalt mit beeindruckender Kunst. Danke für die schönen Stunden :-)“ im zweiten. Die virtuelle Rekonstruktion der barocken Anlage des Zwingers mit Sempers Gemäldegalerie samt
Book Series
2009 DE
Anne Karrass
Die europäische Integration führt zu einer Schwächung des Staates zugunsten des Marktes. - Diese These bestimmt seit einigen Jahren den EU-Diskurs. Aber kann man wirklich von einer Neoliberalisierung durch die EU sprechen? Und wenn ja, war diese Entwicklung gewollt oder war sie der Logik supranationaler Zusammenarbeit geschuldet? Der Band geht diesen Fragen anhand der europäischen Vorgaben für die nationale Ausgabenpolitik nach. Eine Analyse der Geschichte der Integration seit den Römischen Verträgen zeigt, dass es Alternativen zur heutigen Dominanz neoliberaler Politik gegeben hat - und somit auch wieder geben kann.
Book Series
2009 EN
Albinca Pesek
Book Series
2009 DE
Wulf D. Hund
Am 29. Dezember des Jahres 1826 beugten sich Johann Wolfgang von Goethe und Wilhelm von Humboldt über einen Totenkopf, der in einem gläsernen Kasten auf einem blauen Samtpolster ruhte. Noch am selben Abend schrieb Humboldt an seine Frau: »Heute nachmittag habe ich bei Goethe Schillers Schädel gesehen«. Anschließend fuhr er fort: »Man kann sich wirklich an der Form dieses Kopfes nicht satt sehen. Wir hatten einen Gipsabguß von Rafaels Schädel daneben. Der letztere ist regelmäßiger, gehaltener, in ganz gleich verteilter Wölbung. Aber der Schillersche Kopf hat etwas Größeres, Umfassenderes, mehr auf einzelnen Punkten sich ausdehnend und entfaltend«.1 Der Bezug auf Größe war dabei durchaus vieldeutig. Denn er umfaßte sowohl die schlichten Maße als auch die Beschaff enheit einzelner Partien und nicht zuletzt die metaphysische Aura der Knochen. So sehr sie von Hagiographie und Reliquienverehrung geprägt war, so wenig hielt das die Beteiligten vom vergleichenden Vernünfteln ab, als dessen Bezugspunkt phrenologische Überlegungen dienten. Sie orientierten sich an der Überzeugung Franz Joseph Galls, daß die emotionalen und intellektuellen Fähigkeiten und Regungen in unterschiedlichen Gehirnregionen verortet wären und diese je nach ihrer
Journals
2009 EN
Hernán Otero
the article analyzes the French military attaches’ view regarding Argentinian society and Yrigoyen’s rule. Based on the non-published data from the N-series of the Service Historique de l’Armee de terre, the text describes the varied roles the military attaches played during the conflict, focusing on these officials’ standpoints about central topics such as economic war, social division between pro-allies and sympathizers for Germany, the roles of the army and the church, political orientations of the national and ethnic press and, above all, president Hipolito Yrigoyen’s neutrality. on top of it, the article explores the advantages and limits of the reports presented by the military attaches, and finally concludes with exploratory hypotheses about the importance of their evaluations for the future French diplomatic measures in Argentina and the differences in perception we can see between these French military attaches and diplomats from other countries involved also in the international conflagration, in particular Great Britain. Yrigoyen y la Argentina durante la Gran Guerra segun los agregados militares franceses Hernan otero
Universidad Nacional del Litoral
Resource
2009 EN
John Mitchell Beeson
ions as a way of coping with the inconceivable atrocities that were committed during the Second World War. By affecting the viewer with a sense of the spiritual or the transcendental, the works served as an opportunity to confront the issues of alienation and to gain some sense of inner insight, a logical response to the artist’s contemporary cultural context. Artists respond to their specific contexts; the particular dynamic that interests me is the artist’s response to influences, the deliberate response motivated by his or her relation to precedents. One symptom of modernity is the pervasiveness of historical self-awareness. The first half of the twentieth century saw a progression of modernist artistic factions that strove to surpass precedents in the achievement of originality as well as an artistic ideal. To avant-garde artists, precedents act as challenging presences, in need of transformation in order for their contemporary effort to realize its full voice. The complete rejection of an artistic precedent and the reinvention of the terms of art was not an agenda held by all modernist movements, groupings, or individuals not all artists or movements set out to create a revolution nor was it the primary motivation of the four artists considered here. However, most progressive art is based on an idealistic philosophy. Donald Kuspit has suggested that Edouard Manet’s psychological relationship with the history of art could be envisioned as a modernist anxiety, one that carried an
Resource
2009 EN
Hannah McDermott